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Geschichtliches:
Vor dem Ende der letzten Eiszeit wanderten Nomaden aus den Steppen Sibiriens nach Alaska. Sie zogen über jene Landenge, die damals noch wie eine Brücke den asiatischen und amerikanischen Erdteil verband. In langen Jahrhunderten nahmen sie Besitz von dem schier unermesslichen Land ( 9 976 137 km2 ), passten sich ihm an und bildeten allmählich stammesmässige Gemeinschaften.

Sie gliederten sich vorzüglich in sechs kulturelle Gruppen:
die Nomaden der östlichen Waldzüge, die Ackerbauern der östlichen Waldzüge, die Stämme der Prärie, die Nomaden des Nordwestens, die sesshaften Bewohner der Berge und Ebenen und schliesslich die Stämme der Westküste.
Die Gruppen in den östlichen Waldzügen nährten sich von der Jagd, vom Fischfang und von den wildwachsenden Früchten. Entsprechend dieser Lebensweise entwickelten sie Kanus, Schneeschuhe und tragbare Behausungen. Als Material für diese letzteren dienten ihnen Hölzer, Tierhäute und vor allem die Rinde des Birkenbaumes.

Die Ackerbauern der östlichen Waldzüge gehören der Sprachengruppe der Iroquoian an. Als Sesshafte entwickelten diese Indianer echte soziale Strukturen, wie beispielsweise religiöse und politische Gesellschaftsformen. Die bodenständigen, festen Behausungen begünstigten die Entwickiung künstlerischer Formen, vor allem in der Keramik.
Anders als die Ackerbauern und Bergjäger lebten die Stämme der Algonkian, Athabaskan und Sioux-Sprachgruppen in den grossen Ebenen der Prärie. lhr Jagdobjekt war der Büffel, dessen Fleisch sie assen, dessen Haut sie zu Kleidern gerbten oder zu Zeltwänden verarbeiteten. Die Trophäen der Jagd, der Kopfschmuck aus Federn, das Häuptlingsdekor, Insignien, die sowohi religlöse wie soziale Funktionen hatten, machten aus diesen Stämmen die farbenprächtigsten Indianergruppen des ganzen Kontinents.Die Anpassung an die natürlichen Gegebenheiten des Landes beeinflusste auch Indianerstämme in den Waldzügen nördlich des Churchill und Mackenzie Rivers.

Sie gehören vorzüglich der athabaskischen Sprachgruppe an. Weil sie den Caribou (eine Hirschart) jagten, von Moosen lebten und Fische fingen oder Beeren und Früchte sammelten, mussten sie entsprechend den harten Wintern und heissen Sommern beweglich sein. Auch sie benutzten vornehmlich das Kanu und die Schneeschuhe für ihre Reisen. Die ebenfalls klimatisch bedingte ständige Wanderung der Caribous zwang diese Indianer, Zelte zu konstruieren, die man leicht auf und abbauen konnte. Während der langen Winterzeit zogen sie es allerdings vor, festere Wohnung aus Baumstämmen zu errichten. Eine eigentliche politische Struktur haben diese Indianer ihrer Unstetigkeit wegen nicht gekannt.
Die obengenannten sesshaften Bewohner der Berge und Ebenen gliederten sich in vier Sprachgruppen:

die Athabaskan, die Salishan, die Kootenayan und Tlingit.
lhre Heimat Britisch-Kolumbien und das Yukon-Gebiet, war reich an jagdbaren Tieren, Fischen, Pflanzen und Früchten. Sie fingen den Salm mit geflochtenen Reusen und Unterwassernetzen. Erdfrüchte und Beeren sammelten sie in Körben, die aus Tannenwurzein hergestellt wurden. Die Arten ihrer Häuser variierten vom leichtbeweglichen Zelt aus Büffelfell, der unterirdischen Höhle bis zum grossen Viereckhaus, dessen Wände aus Baumstämmen und Baumrinden erstellt wurden.

In den indianischen Kulturen an der Pazifikküste kamen früh in sozialer, politischer und auch wirtschaftlicher Hinsicht festumrissene gesellschaftliche Formen auf. Die hier lebenden Stämme waren zahlreich:
Tsimshian, Haida, Salishan, Kwakuiutl, Bella Coola und Nootka.
Weil sie mit der Nahrung und auch mit dem nötigen Rohmaterial für ihre Arbeiten infolge der reichen Fauna keine Not hatten, entwickelten die Stämme der Westküste ein bemerkenswertes Kunsthandwerk das sie vor allen Dingen in der Totemschnitzerei, im Korbflechten und Weben sowie in der Malerei auszeichnete und bleibende Werte schuf.

Eine bedeutende Rolle spielte dabei die gewaltige Zeder, die in den Regenwäldern des Westens in Überfülle wuchs. Aus Zedernfasern webte man sogar Kleider, flocht aus ihnen auch die Trennwände in den Häusern und stellte aus ihren Wurzeln Körbe her. Die gewaltigen Stämme wurden zu massiven Blockhäusern wie zum Hausgerät und Inventar verarbeitet, zu Einbäumen ausgehöhlt und als Totempfähle aufgerichtet.
In gesellschaftspolitischer Hinsicht ist an den Indianerstämmen der Westküste ihre Klasseneinteilung aus Adeligen, gemeinem Volk und Sklaven bemerkenswert.

Festliche Zeremonien des gegenseitigen Schenkens waren nicht nur ein Zeichen der Vornehmheit, sie boten auch eine gewisse Sicherheit in Krankheit und bei Todesfällen. Darüber hinaus waren derartige Bräuche ein willkommener Anlass zum Warenaustausch, gaben aber auch Gelegenheit, sich untereinander besser kennenzulernen.

Was die Religion der Indianer betrifft, so zeigte sie eine tiefe Ehrfurcht vor der Natur, die den Menschen mit Lebensmitteln, ja mit allem Notwendigen versorgte.
Jeder heranwachsende Jüngling unterzog sich einmal einer Art Fastenzeit, in der er sich allein in die Wildnis begab, um dort in Träumen oder Visionen Kontakt zu jenem Geist aufzunehmen, der ihn dann das ganze Leben beschützen sollte. Dieser Geist konnte sich als Vogel, Fisch oder irgendein anderes wildes Tier manifestieren, er konnte sich im Donner, im ragenden Fels oder tosenden Wasserfall, als einer der Halbgötter oder gar als die Manifestation der Kraft des grossen Manitu offenbaren.
Als Priester fungierte bei den lndianerstämmen ein Medizinmann, der sich sowohi um das geistige wie auch das zeitliche Wohl des Volkes kümmerte.

Mit der Ankunft der europäischen Siedler wurden diese grossen indianischen Kulturen untergraben. Die Europäer brachten neue Waffen, neue Technik, neue Wirtschaftsmethoden. Sie führten den Alkohol ein und schleppten Krankheiten ins Land, die unkontrolliert um sich griffen und die Stämme dezimierten. Um 1880 war die Ernährung der Indianer vor allem durch die gewaltsame Störung der freien Wildbahn problematisch geworden, ihre ZahI etwa auf die Hälfte zusammengeschrumpft und auch ihre Kultur auf einem Tiefstpunkt angelangt.

Heute sind die Indianer in 566 Stämme (von 10 bis 7000 Mitgliedern) gegliedert und leben in für sie reservierten Gebieten, die etwa 6 Millionen Hektar Land umfassen.
Verantwortlich für die Erziehung, wirtschaftliche Entwicklung, den gesellschaftlichen Fortschritt ist das " Amt für Angelegenheiten der Indianer und Eskimos ". lhm gehören von Indianern gewählte Vertreter aus dem ganzen Lande an.

Auf dem Gebiet der Bildung hat man inzwischen auch seitens der Eltern die Notwendigkeit schulischer Massnahmen begriffen. Sie arbeiten intensiv in Schulkomitees mit. Eine steigende Anzahl von Indianern ist selbst im Schulwesen tätig. Die Sprache wird besonders gepflegt. Es gibt Kurse zur besseren Erlernung der Indianerdialekte, da man begriffen hat dass die Kultur vor allem über den Weg der Sprache von einer Generation zur anderen weitergetragen wird.

Was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, so finden wir heute Indianer nicht nur in Fabrikationsbetrieben, als Unternehmer, im Touristikwesen, sondern auch als Farmer, Kaufleute und Vertreter der Finanz.

Eine Sache, über die man sehr getrennter Meinung sein kann, ist die Rente, die alle Indianer beziehen, wenn sie innerhalb der Reservate leben. Verlassen sie diese, um sich dem allgemeinen Arbeitsprozess einzugliedern, so gehen ihnen die Vorrechte der Reservate verloren. Wahrscheinlich aber ist dieser zweite Weg der bessere, weil er den Menschen zwingt, sich den Gegebenheiten des Fortschritts, die in der Geschichte nicht mehr umzukehren sind, anzupassen.
lch fragte den für die Indianer zuständigen katholischen Bischof von Viktoria, ob die jungen Indianer nicht die Getahr sähen, dass sie in den Reservaten in etwa an der Zeit vorbeileben würden. Er antwortele: "Natürlich spüren das die jungen Leute und wandern geistig immer mehr aus den Sitten und Bräuchen ihrer Väter aus".

Die technische Zivilisation ist keine Erfindung der weissen Rasse, es hat sie mehr oder weniger zu allen Zeiten gegeben, und sie hat immer wieder wie ein Hobel Kulturen, Brauchtum und Sitten der Völker, denen sie begegnete, eingeebnet.


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