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Das Evangelienbuch selbst ist ein Werk von unvorstelIbarer Pracht, verschwenderisch in seinem Reichtum an Bildmotiven, an herllichen Ornamenten und farbenprächtigen szenischen DarstelIungen zum biblischen Geschehen. Schon allein die Größe der Pergamentseiten (31 x 44 cm) verrät die Bedeutung, die diesem Buch als Repräsentationsobjekt zukam. In 64 ganzseitigen Miniaturen und Schrifttafein, in Hunderten von kostbaren Initialen zeigt die Echternacher Malschule ihr einzigartiges Können in voller Blüte. Silbertöne und kaiserlicher Purpur steigern den Eindruck voller Würde. Seinen Namen erhielt der Codex Aureus durch die nahezu verschwenderische Verwendung von Gold auf fast allen Seiten. Auch der mit feinen Initialen durchsetzte Text ist mit reinem Gold auf Pergament aufgetragen.
Evangeliare, also Bücher mit den Texten der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, gehören zu den ältesten Zeugnissen der mittelalterlichen Kultur. Mit ihnen beginnt die Geschichte der Buchkunst. Als im 4. Jahrhundert der Kirchenvater Hieronymus im Auftrage des Papstes Damasus eine neue lateinische Übersetzung der Bibel herausgegeben und die Reihenfolge der Evangelien festgelegt hatte, war das Schema der Evangeliare festgelegt. Sogenannte Kanontafeln, die immer reicher ausgeschmückt wurden, brachten in kolumnenartiger Anordnung die Kapitelnummern der sich entsprechenden Bibelstellen.
Vor dem Text eines jeden Evangeliums erscheint das Bild des Evangelisten, der wie ein Schreiber in einem Architekturdekor unter seinem Symbol dargestelit wird. Der eigentliche Beginn der Evangetientexte wird durch ganzseitige Schrifttafeln und Initialen hervorgehoben. Links erscheint die ,,lncipit"-Seite, rechts stehen die ersten Worte des lateinischen Textes. Ungemein dekorativ wirkt der breite Bildrand in Purpurfarbe, die aus dem Saft der mittelländischen Purpurschnecke gewonnen und wegen ihrer Seltenheit zur Farbe der Könige und Herrscher erkoren wurde.
In den Evangelienszenen wird das biblische Geschehen mit einer Fülle lebendiger Einzelheiten dargestellt. Auf sechzehn Seiten der Handschrift sind in je drei untereinanderstehenden Zonen weit über hundert Einzeldarstellungen ausgebreitet.
Der große Bilderzyklus zum Neuen Testament erscheint in vier Teilen, von denen jeweils einer dem Beginn des Evangelientextes vorangestellt ist. Jeder der vier Teile umfaßt einen Zeitabschnitt des Lebens Christi auf Erden. Zwischen der Jugend und der Passion erscheinen die Bilder der Wundertaten und der Gleichnisse. Die Treue zum Bibeltext ist immer bis ins kleinste Detail gewahrt. Alle Bilder sind ein Spiegel des Mittelalters. Der Codex aureus stellt damit eine, im Vergleich zu den schriftlichen Texten, unerschöpliche Quelle zur Erforschung des mittelalterlichen Alltagslebens dar.
Von besonderer Schönheit sind die Pergamentseiten, auf denen die Texte der Evangelien in reinem Gold, dem Symbol des Lichts und der Erleuchtung, niedergeschrieben sind. Der Text selbst erscheint in zwei Kolumnen; er ist belebt von kleinen Initialen in Gold oder größeren Buchstaben, die von Flechtwerk durchsetzt sind. Als Ornament dienen häufig menschliche Gestalten, Vögel und Säulen.
Um einzelne Textstellen besonders zu betonen, malte man Initialbuchstaben, die über eine ganze Spalte reichen. Auch die kleinen Inschrifttafeln sind Welten für sich, in denen die Schreiber und die Maler ihr ganzes Können zeigten.
Ein charakteristisches Element bilden die Vorhangseiten, in denen in vollendeter Maltechnik byzantinische Seidenwebstoffe nachgebildet sind.
Wir wissen nicht, wieviel Zeit die Mönche des Echternacher Scriptoriums für die Herstellung des Codex aureus gebraucht haben und wieviele Künstler an seiner Schaffung beteiligt waren. Es steht aber fest, daß das Schreiben und Malen relativ schnell vor sich ging, da mehrere Schreiber und Maler gleichzeitig arbeiten konnten, wenn die Pergamentblätter aus Tierhäuten zubereitet waren.
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