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Faksimilierung

Als der künstlerische Wert der mittelalterlichen Handschriften vom kunstliebenden Publikum erkannt war, verlangte man immer öfter im Namen des Volkes, daß man diese Zimelien, für deren Konservierung man Steuergelder aufbringen müsse, auch sehen und ausgiebig betrachten könne. Die Konservatoren der Archive, Bibliotheken und Museen konnten sich von nun an nicht mehr so richtig über ihren wertvollen Handschriftenbesitz freuen. Als sie feststellten, daß die Werke unter der verstärkten Benutzung gelitten hatten und immer neue Schäden entstanden, versuchten sie erst, auf diese Gefahren hinzuweisen und die Benutzung einzuschränken. Dann aber mußten sie in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, daß eine Generation sich nicht das Recht anmaßen dürfe, Kunstwerke, die nun nach nahezu einem Jahrtausend in ihrem vollen Glanz erhalten waren, durch intensiven Gebrauch zu gefährden und zu zerstören.

Die moderne Technik hat eine ganze Reihe von Reproduktionsmöglichkeiten, die vom Farbdia über den Mikrofilm bis zur vollständigen Faksimilierung, d. h., bis zur originalgetreuen Nachbildung des Originals im Druckverfahren, reichen, entwickelt. Sie hat damit die Konservatoren aus ihrem Dilemma erlöst, auf der einen Seite für die Zugänglichkeit der Objekte eintreten zu müssen, andererseits aber auch zu wissen, daß die Originale, deren Schutz ihnen anvertraut ist, dann in absehbarer Zeit endgültig verloren sind.
Namhafte Verlage mit internationalem Ruf haben insgesamt vier Echternacher Handschriften faksimiliert, und zwar den Codex caesareus upsaliensis, der für den Dom in Goslar geschrieben worden war, das Perikopenbuch Heinrichs III., das Echternacher Sakramentar und Antiphonar und nun den Codex aureus epternacensis.
Nach Jahren der P!anung und buchtechnischen Erarbeitung haben die Verlage S. Fischer und Müller & Schindler die Faksimile-Edition des Goldenen Evangelienbuchs fertiggestellt. Die Blätter des Codex konnten unmittelbar vom Original, das in seine Einzelteile zerlegt wurde, faksimiliert werden.

Für die Vergoldung mit reinkarätigem Gold wurde ein Verfahren angewendet, das den Prinzipien der Handvergoldung auf Eiweißgrund folgt, wie sie in den mittelalterlichen Klosterscriptorien ausgeübt wurde. So konnte eine Goldschicht erreicht werden, die wie im Original erhaben auf der Fläche liegt. Alle Blätter wurden einzeln dem Original entsprechend beschnitten. Für einen Teil der Auflage wurde auch der Prunkdeckel originalgetreu nachgebildet.


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